Welche elementare Funktion hat der Futterstoff in meiner Bekleidung ?
- Ein guter Futterstoff hat gute Gleiteigenschaften. Er verleiht der Innenseite eines Bekleidungsstücks einen angenehmen, seidigen "Schlupf".
- Dadurch lässt sie sich leichter an- und ausziehen, klettert nicht und klebt nicht am Körper.
- Sie fällt natürlicher, ist strapazierfähiger und fühlt sich insgesamt angenehmer an.
Gibt es weitere Gründe, warum ich Bekleidung füttern sollte ?
Ja ! Neben der elementaren Funktion "Schlupf" spielt natürlich auch die Optik eine Rolle.
- Futterstoff verdeckt das Innenleben der Bekleidung. Nähte, Einlagen, Polster usw. verschwinden elegant unter dem Futter. Alles sieht sauber aus.
- Ein gefüttertes Bekleidungsstück hält besser der Form.
- Mit Futter hast du die Möglichkeit, modische Akzente zu setzten. Entweder durch einen farblichen Kontrast, durch ein schmuckvolles Jacquard Futter oder auch durch eine Paspel aus Futterstoff.
Welche Materialien werden als Futterstoff verarbeitet ?
Als Futterstoff eignen sich insbesondere Gewebe aus glatten Filamentgarnen. Anders als Stapelfasern bestehen Filamentgarne aus langen, kontinuierlichen Fasern. Sie ermöglichen besonders feine und glatte Gewebe und sorgen für den charakteristischen seidigen Griff und die guten Gleiteigenschaften, die von einem hochwertigen Futterstoff erwartet werden.
Zu den wichtigsten Fasermaterialien für Futterstoffe zählen Seide, Filamentviskose, Acetat und Triacetat sowie die synthetischen Fasern Polyamid und Polyester.
Dabei unterscheiden sich die Materialien deutlich in ihren Eigenschaften: Seide bildet traditionell die qualitative Referenz, ist jedoch teuer und empfindlich. Filamentviskose verbindet einen seidigen Charakter mit hoher Feuchtigkeitsaufnahme und sehr guten Trageeigenschaften. Acetat und Triacetat basieren ebenfalls auf Cellulose, sind jedoch chemisch stärker modifiziert und nehmen deutlich weniger Feuchtigkeit auf. Polyamid und Polyester überzeugen vor allem durch Strapazierfähigkeit, Formbeständigkeit und Wirtschaftlichkeit, erreichen jedoch nicht die Feuchtigkeitsaufnahme cellulosischer Fasern.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Seide
Seide gilt traditionell als die hochwertigste Faser für Futterstoffe. Als natürliche Filamentfaser besitzt sie eine außergewöhnlich glatte Oberfläche, einen weichen, fließenden Griff und einen charakteristischen, dezenten Glanz. Diese Eigenschaften machen Seide seit Jahrhunderten zu einem bevorzugten Material für hochwertige Bekleidung.
Im Gegensatz zu den meisten Naturfasern liegt Seide bereits von Natur aus als kontinuierliches Filament vor. Das vom Seidenspinner erzeugte Filament besteht überwiegend aus dem Protein Fibroin und kann zu besonders feinen, glatten und leichten Geweben verarbeitet werden. Als Futterstoff gleitet Seide sehr angenehm über Haut und Kleidung und trägt aufgrund ihrer Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, zu einem ausgeglichenen Trageklima bei.
Auch heute findet man Seidenfutter vor allem im Luxussegment – etwa in hochwertiger Maßkonfektion und exklusiver Damen- und Herrenbekleidung. Den hervorragenden Trageeigenschaften stehen jedoch deutliche praktische Nachteile gegenüber: Seide ist vergleichsweise teuer, empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung, Schweiß, Feuchtigkeit und bestimmten Pflegeverfahren und erfordert entsprechend sorgfältige Behandlung.
Damit stellt Seide hinsichtlich Griff, Feinheit und Tragekomfort einen traditionellen Referenzpunkt für hochwertige Futterstoffe dar. Ihr hoher Preis und ihre begrenzte Strapazierfähigkeit machen sie für viele Anwendungen jedoch weniger praktikabel als hochwertige cellulosische Filamentfasern.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Viskose
Bei Viskose unterscheiden wir grundsätzlich zwischen Stapelfaser-Viskose und Filament-Viskose. Während Stapelfasern versponnen werden und häufig einen weichen, baumwollähnlichen Charakter besitzen, besteht Filament-Viskose aus langen, kontinuierlichen Fasern. Dadurch entstehen besonders glatte, feine und fließende Gewebe mit einem seidigen Griff – Eigenschaften, die Filament-Viskose hervorragend für hochwertige Futterstoffe geeignet machen.
Viskose ist eine Regeneratfaser auf Cellulosebasis. Ausgangsstoff ist natürliche Cellulose, die überwiegend aus Holz gewonnen wird und idealerweise aus verantwortungsvoll und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Im Herstellungsprozess wird die Cellulose zunächst gelöst und anschließend zu kontinuierlichen Filamenten ausgesponnen. Dabei wird die Cellulose regeneriert, sodass die fertige Faser wieder im Wesentlichen aus Cellulose besteht.
Die chemische Struktur der Cellulose verleiht Viskose eine hohe Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit. Wassermoleküle können sich an die zahlreichen Hydroxylgruppen der Cellulose anlagern. Dadurch kann Viskose Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung beziehungsweise vom Körper aufnehmen und wieder an die Umgebung abgeben.
Diese hygroskopischen Eigenschaften tragen zu einem angenehmen Feuchte- und Temperaturklima zwischen Körper und Bekleidung bei. Gleichzeitig neigt Viskose aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Feuchtigkeitsaufnahme deutlich weniger zur elektrostatischen Aufladung als stark hydrophobe Fasern wie beispielsweise Polyester.
Als Futterstoff verbindet Filament-Viskose damit einen glatten, seidigen Griff und hervorragende Gleiteigenschaften mit hoher Feuchtigkeitsaufnahme und einem angenehmen Tragekomfort – Eigenschaften, die insbesondere bei hochwertigen Kleidungsstücken unmittelbar spürbar sind.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Baumwolle
Baumwolle ist eine natürliche Cellulosefaser, die aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen wird. Chemisch besteht sie zu einem sehr hohen Anteil aus Cellulose und besitzt aufgrund der zahlreichen Hydroxylgruppen eine ausgeprägte Hydrophilie und Hygroskopizität. Sie kann Feuchtigkeit aufnehmen und trägt dadurch zu einem angenehmen körpernahen Trageklima bei.
Im Unterschied zu Seide oder Filamentviskose liegt Baumwolle jedoch nicht als kontinuierliches Filament, sondern als Stapelfaser vor. Die einzelnen Baumwollfasern besitzen eine begrenzte Länge und müssen durch Verspinnen zu einem Garn verbunden werden. Dabei entsteht zwangsläufig eine andere Garn- und Oberflächenstruktur als bei einem glatten, kontinuierlichen Filamentgarn.
Für die Verwendung als Futterstoff ist dieser Unterschied von besonderer Bedeutung. Aus Baumwollgarnen hergestellte Gewebe weisen typischerweise eine höhere Oberflächenrauigkeit und damit einen höheren Reibungswiderstand auf als vergleichbare Gewebe aus glatten Filamentgarnen. Das Material gleitet deshalb weniger leicht über Hemden, Blusen oder andere Bekleidungsschichten.
Die eigentlichen Stärken der Baumwolle liegen in ihrer hohen Feuchtigkeitsaufnahme, ihrer guten Hautverträglichkeit und ihrem weichen, natürlichen Griff. Diese Eigenschaften machen sie insbesondere als Leibfutter interessant, beispielsweise im Rumpfbereich von Jacken und Mänteln, wo Tragekomfort und Feuchtigkeitsaufnahme wichtiger sein können als maximale Gleitfähigkeit.
Für Ärmel und andere Bereiche, in denen das Futter möglichst reibungsarm über die darunterliegende Kleidung gleiten soll, sind dagegen glatte Filamentgewebe aus Seide, Viskose oder synthetischen Filamentfasern technisch besser geeignet. Baumwolle ist somit ein durchaus komfortables Futtermaterial, aber aufgrund ihrer Stapelfaserstruktur kein klassischer Ersatz für einen gleitfähigen Filament-Futterstoff.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Acetat und Tri-Acetat
Acetat und Triacetat werden häufig in einem Atemzug mit Viskose genannt, da auch sie auf Cellulose als natürlichem Ausgangsstoff basieren. Aus materialwissenschaftlicher Sicht besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied: Während bei Viskose die Cellulose nach dem Spinnprozess regeneriert wird, wird sie bei Acetat und Triacetat chemisch dauerhaft verändert.
Bei der Herstellung werden die Hydroxylgruppen der Cellulose teilweise beziehungsweise weitgehend durch Acetylgruppen ersetzt. Es entsteht Celluloseacetat. Acetat und Triacetat sind deshalb keine regenerierten Cellulosefasern wie Viskose, sondern Cellulose-Derivatfasern. Triacetat weist dabei einen höheren Acetylierungsgrad auf als Acetat.
Diese chemische Veränderung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gebrauchseigenschaften. Durch die Acetylierung stehen weniger freie Hydroxylgruppen zur Wechselwirkung mit Wassermolekülen zur Verfügung. Acetat und insbesondere Triacetat nehmen daher deutlich weniger Feuchtigkeit auf als Viskose. Ein wesentlicher Vorteil hochwertiger Filamentviskose – ihre ausgeprägte Hygroskopizität und der daraus resultierende Beitrag zu einem angenehmen Mikroklima – ist bei diesen Fasern entsprechend reduziert.
Gleichzeitig besitzen Acetat und Triacetat einen ausgeprägteren thermoplastischen Charakter. Insbesondere Triacetat lässt sich durch Wärme dauerhaft in seiner Form beeinflussen. In Eigenschaften wie geringer Feuchtigkeitsaufnahme, Thermoplastizität und Formbeständigkeit zeigen diese Fasern daher funktionale Parallelen zu synthetischen Fasern wie Polyester.
Chemisch sind Acetat und Triacetat kein Polyester: Ihr Ausgangspolymer ist Cellulose, während Polyester aus synthetisch erzeugten Polyestermolekülen besteht. Für die Beurteilung eines Futterstoffes ist jedoch nicht allein die Herkunft des Rohstoffes entscheidend, sondern das Verhalten der fertigen Faser.
Als Futterstoff stehen Acetat und Triacetat deshalb trotz ihrer Cellulosebasis in wesentlichen Trage- und Gebrauchseigenschaften näher an synthetisch geprägten Futterstoffen als an hochwertiger Filamentviskose.
Wer gezielt die hohe Feuchtigkeitsaufnahme und das daraus resultierende Trageklima einer regenerierten Cellulosefaser sucht, sollte Acetat und Triacetat daher nicht mit Viskose gleichsetzen.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Polyamid
Polyamid ist eine vollsynthetische Chemiefaser, die aus industriell hergestellten Polymeren aufgebaut ist. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Polyamid 6 und Polyamid 6.6. Die Fasern können als kontinuierliche Filamente hergestellt und zu sehr feinen, glatten und leichten Futterstoffen verarbeitet werden.
Als Futterstoff besitzt Polyamid einige ausgeprägte technische Vorteile. Die Faser zeichnet sich insbesondere durch hohe Festigkeit, Elastizität und Abriebfestigkeit aus. Polyamidfutter sind daher strapazierfähig und können trotz eines geringen Flächengewichts eine hohe mechanische Belastbarkeit erreichen.
Im Vergleich zu cellulosischen Fasern ist die Feuchtigkeitsaufnahme jedoch deutlich geringer. Polyamid nimmt zwar mehr Feuchtigkeit auf als Polyester, erreicht aber bei weitem nicht die Hygroskopizität von Viskose. Entsprechend geringer ist die Fähigkeit des Materials, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu einem ausgeglichenen Mikroklima zwischen Körper und Bekleidung beizutragen.
Als synthetische Faser kann Polyamid zudem zu elektrostatischer Aufladung neigen, insbesondere bei geringer Luftfeuchtigkeit. Aus diesem Grund können bei Futterstoffen zusätzliche Ausrüstungen eingesetzt werden, um die gewünschten antistatischen Eigenschaften zu erzielen.
Polyamid ist damit vor allem dort interessant, wo Strapazierfähigkeit, geringes Gewicht und technische Funktion im Vordergrund stehen.
Mehr Informationen zu Futterstoff aus Polyester
Polyester ist heute eine der weltweit am häufigsten eingesetzten synthetischen Chemiefasern. Im Textilbereich handelt es sich überwiegend um Polyethylenterephthalat (PET). Polyester lässt sich kostengünstig als kontinuierliches Filament herstellen und eignet sich dadurch technisch sehr gut für die Produktion glatter und gleichmäßiger Futterstoffe.
Die wesentlichen Vorteile von Polyester liegen in seiner hohen Formbeständigkeit, Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit. Die Faser besitzt eine gute Festigkeit, knittert vergleichsweise wenig und trocknet aufgrund ihrer sehr geringen Feuchtigkeitsaufnahme schnell. Diese Eigenschaften sowie die wirtschaftliche Herstellung erklären die weite Verbreitung von Polyester als Futtermaterial.
Gerade die geringe Feuchtigkeitsaufnahme stellt beim Tragekomfort jedoch einen wesentlichen Unterschied zu Viskose dar. Polyester ist stark hydrophob und kann nur sehr geringe Mengen an Feuchtigkeit in der Faser aufnehmen. Körperfeuchtigkeit wird daher nicht in vergleichbarem Maße von der Faser aufgenommen und zwischengespeichert, wie dies bei hydrophiler Filamentviskose möglich ist.
Hinzu kommt die vergleichsweise hohe Neigung zur elektrostatischen Aufladung. Deshalb werden Polyesterfutter je nach Anforderung konstruktiv oder durch entsprechende Ausrüstungen hinsichtlich Feuchtetransport und antistatischem Verhalten optimiert.
Polyesterfutter sind somit robust, formstabil, pflegeleicht und wirtschaftlich, ihre Stärke liegt jedoch primär in diesen technischen und ökonomischen Eigenschaften. Hinsichtlich Hygroskopizität und des daraus resultierenden körpernahen Trageklimas unterscheiden sie sich deutlich von Seide und insbesondere von regenerierter Filamentviskose.
